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Thomasschule 2012

Fassung vom 13. Juni 2006

Proöm

2012, in sechs Jahren, feiert die Thomasschule ihr 800-jähriges Bestehen. In letzter Zeit sind zahlreiche Visionen diskutiert worden, wie unsere Schule in Zukunft aussehen soll. Wir als Schüler der Thomasschule möchten mit diesem Konzept unseren Teil zur Diskussion beitragen und sehen dieses Papier als Grundlage für den weiteren Meinungsaustausch innerhalb der Schule und mit dem Verein Forum Thomanum an.

Sachstand

Die Thomasschule ist ein öffentliches Gymnasium, getragen von der Stadt Leipzig. Sie führt zur allgemeinen Hochschulreife, dem Abitur. Angeboten werden folgende Profile: das sprachliche, das künstlerische, sowie für die Thomaner und einige Ausnahmen das vertieft musische Profil nach §4 SOGY.

Als humanistisches und sprachliches Gymnasium bietet die Thomasschule Latein und Englisch ab 5. bzw. 6. Klasse und weiterhin Altgriechisch und Französisch ab 8. bzw. 9. Klasse an. Möglich sind Abschlüsse wie Latinum und Graecum. Besondere Berücksichtigung findet die vertieft musische Ausbildung durch separate Klassen, in die neben Thomanern auch Schüler mit stark musischem Interesse aufgenommen werden können. Ein weiterer Schwerpunkt der Ausbildung sind die Naturwissenschaften, welchen seit jeher eine wichtige Rolle zukommt und denen unsere Schule auch bedeutende Persönlichkeiten verdankt.

Das renovierte Schulhaus in der Hillerstraße 7 liegt gegenüber dem Alumnat und ist im Jahr 2000 bezogen worden. Es ist sehr gut ausgestattet, verfügt über moderne Fachkabinette sowie einen sehr großen Computerpool samt Laptopkabinett. Einzig die Größe des Schulhauses setzt in Sachen Kapazität eindeutige Grenzen. Als Sporthallen stehen die schuleigene kleine Turnhalle in der Hillerstraße und eine große in der Telemannstraße zur Verfügung.

Arbeitsgemeinschaften werden seit dem Jahr 2005 nur noch eingeschränkt von der Stadt Leipzig finanziert und sind seitdem sehr rar geworden. Zum Wiederaufbau eines derartigen Freizeitangebotes wurde der „Verein zur Förderung und Erhaltung des Ganztagesprogramms an der Thomasschule“ gegründet. Weiterhin gibt es jedoch schon jetzt etablierte Sport- und Theater-AGs sowie einen Schulchor und ein Schulorchester, letztere unterstreichen die musische Prägung unserer Schule. Die Schülerzeitung der Thomasschule „Thom Times“ floriert. Schüler der Thomasschule sind rege beteiligt an diversen Austauschprogrammen (Comenius, GAPP), Wettbewerben in allen Fachrichtungen (Mathematikolympiaden, Jugend musiziert, First Lego Leaque, Jugend trainiert für Olympia, Physikolympiaden, Jugend-Schule-Wirtschaft) und Planspielen (Planspiel Börse, Pol&IS, Schulbanker).

Förderverein der Thomasschule ist der Thomanerbund e.V. Er unterstützt kulturelle Veranstaltungen wie Wettbewerbe und z.B. die traditionelle Griechenlandfahrt der Griechisch lernenden Thomasschüler.

Leitlinien

Unsere Definition: Vielfalt
Unsere Schule darf sich nicht auf dem Aushängeschild Thomanerchor ausruhen, sondern sollte von einer starken eigenen Schulkultur geprägt sein. Auch wenn den Thomanern an der Thomasschule immer eine besondere Bedeutung zukommen muss, kann sich eine Schule nicht allein durch ein Sechstel ihrer Schülerschaft definieren. Deswegen ist für uns die Wahrung der Vielfalt an unserer Schule der wichtigste Punkt überhaupt. Zu dieser Vielfalt zählt eine heterogene Schülerschaft mit unterschiedlichen Interessengebieten ebenso wie die Beibehaltung des großen Einflusskreises der Schule. Auch in Zukunft soll der gute Ruf der Thomasschule Schüler aus dem gesamten Leipziger Stadtgebiet und darüber hinaus anziehen. Die Durchmischung verschiedener Interessenslagen muss bestehen bleiben oder besser noch ausgebaut werden, so ist eine Auswahl der Schülerschaft nach musischem Talent, beispielsweise durch eine fachspezifische Aufnahmeprüfung, auszuschließen. Nichtsdestotrotz sollte die Musik eine besondere Bedeutung an unserer Schule haben, dies muss sich im Unterricht, aber auch in Schulchor und -orchester widerspiegeln. Zentrales Ziel muss es aber weiterhin sein, nicht nur in einem Fachgebiet Spitze zu sein, sondern in allen drei Säulen der thomasschulischen Bildung: Naturwissenschaft, Musik und Kunst, Sprachen. Weiterhin sollte der gesellschaftswissenschaftliche Aspekt stärker in den Unterricht einbezogen werden, demokratische Kompetenz und religiöse Kenntnisse sind heute wichtiger denn je. Das Hauptaugenmerk muss auf dem möglichst erfolgreichen Bestehen des Zentralabiturs liegen und diesbezüglich hat unsere Schule im sachsenweiten Vergleich bereits jetzt einen hohen Standard.

Auch in Zukunft muss die Thomasschule eine Schule sein, in der alle Schüler im gleichen Maße willkommen sind und entsprechend ihrer Interessen gefördert werden. Zentrales Ziel der schulischen Ausbildung muss es bleiben, alle Schüler zu einem möglichst guten Abitur zu führen.

Zur Stärkung der Identifikation der Schüler mit ihrer Schule sollte deren Geschichte jedem Schüler nähergebracht werden, beispielsweise durch Schautafeln an prominenter Stelle. Wir sprechen uns für die regelmäßige Ausrichtung eines Schulballs zur Förderung der Schulkultur aus. Die Diskussion um die Einführung einer Schuluniform sollte fortgesetzt werden.

Ganztagesprogramm
Außerunterrichtliche Zusatzangebote unterstützen und begrüßen wir sehr. Entscheidend ist aber auch hier, dass jedem etwas geboten wird. Naturwissenschaftlich oder sprachlich begabte Schüler sollen genauso auf ihre Kosten kommen wie musisch interessierte. Besonders sportliche Angebote wie Badminton oder Volleyball sind bei der sonst bewegungsarmen Ausbildung nachmittags nötig.

Unsere Schule sollte als Ort einer lebendigen Kultur wahrgenommen werden. Herausragende Bedeutung hat deshalb für uns auch das Bestehen eines Schulchores neben dem Thomanerchor, sowie eines Schulorchesters. Die Mitwirkung in diesen Arbeitsgemeinschaften zu fördern ist sehr erstrebenswert. Fatal jedoch ist es, nur singende, Instrument spielende und musisch interessierte Schüler als vollwertig zu betrachten, und sei es nur unterschwellig.

Zur Schulkultur zählen aber auch Einrichtungen wie Schülerrat, Schülerzeitung, Schulradio und das Schülercafe, durch die wir Schüler die Möglichkeit haben uns aktiv einzubringen und unsere Schule zu gestalten. Eine angemessene Berücksichtigung und Unterstützung im Ganztagsprogramm ist daher anzustreben. Um das gemeinsame Miteinander zu fördern sind Gewaltpräventionsprojekte zur Konfliktlösung anstrebenswert.

Wir Schüler wünschen uns ein vielfältiges Angebot an Arbeitsgemeinschaften, das die unterschiedlichen Interessen einzelner Schülergruppen aufnimmt, zur Persönlichkeitsentwicklung eines jeden Schülers beiträgt und nicht thematisch und ideologisch eng eingegrenzt ist. Realisiert werden sollte das Ganztagesprogramm durch den „Verein zur Förderung und Erhaltung des Ganztagesschulprogramms an der Thomasschule“ und die Schulleitung. Schon heute absolvieren die Thomaner ein ganztägiges Programm, daher sollte sich ein Ganztagesangebot der Schule primär an die übrigen Schüler richten, die Thomaner aber natürlich nicht ausschließen. Angebote können von Lehrern, Eltern oder Vereinen betreut werden. Denkbar wären zum Beispiel Kooperationen mit naheliegenden Sportvereinen, Sprachschulen, soziokulturellen Einrichtungen, der Musikschule oder ähnlichem. Auch die Zusammenarbeit mit privaten Wirtschaftsunternehmen für Praktika, BELLs, Arbeitsgemeinschaften oder Unterrichtsprojekte sollte durchaus verstärkt angestrebt werden.

Die Finanzierung des Ganztagesangebots muss teilweise durch Eltern und Fördermittel des Freistaats Sachsen erfolgen, da der Verein Forum Thomanum nach eigenen Angaben die Finanzierung zumindest nicht vollständig übernehmen kann. Elternbeiträge sollten nur dann erhoben werden, wenn diese wirklich nötig und dann auch für alle Eltern bezahlbar sind. Wir bitten den Vorstand des Forum Thomanum klarzustellen, inwiefern ein Ganztagesangebot der Schule, auch kurzfristig, von seiner Seite finanziell unterstützt werden kann. Wenn der Verein dazu imstande ist, darf sich eine Förderung aber nicht vielfaltseinschränkend nur auf den Bereich Musik beschränken. Eine musische Prägung darf nicht bedeuten, dass engstirnig jegliche Unterstützung nur bei musikalischen Aktivitäten geleistet wird.

Wünschenswert ist darüber hinaus eine Diskussion zur langfristigen Finanzierung von Angeboten, die allen Schülern und Lehrern im Schulalltag helfen, wie beispielsweise der Schulbibliothek.

Baumaßnahmen
Die Finanzierung der Baumaßnahmen im Forum Thomanum und der später durch den Betrieb entstehenden laufenden Kosten ist ungeklärt. Bisher gibt es im Konzept des Forum Thomanum keinen konkreten Punkt, der dies anspricht. Eine genaue Planung dieser Frage ist für die Zukunft unerläßlich.

Immer mehr junge Schüler möchten ihre Ausbildung an der Thomasschule beginnen. Leider sind die Räume der Schule schon heute vollkommen ausgelastet. Neue Ideen und Konzepte benötigen auch in der Thomasschule Raum. Daher unterstützen wir die Planungen zum Ausbau des Dachgeschosses.

Weiterhin setzen wir uns im Forum Thomanum für einen Umbau der Lutherkirche auch für schulische Aktivitäten ein, wobei der Charakter des Gotteshauses dabei natürlich nicht verloren gehen darf. Außerdem sollte in den Planungen eine Turnhalle berücksichtigt werden, die den Ansprüchen von Schule und Chor gerecht wird und auf dem Campus des Forum Thomanum liegt. Interessante Anregungen für die Gestaltung von Schule und Umfeld haben Schüler geliefert. Auch die Anwohner des Bachviertels müssen in die Planungen einbezogen werden. Angestrebt werden sollte auch die Nutzung einzelner Räume des Alumnats und zukünftig entstehender Räumlichkeiten für Schulveranstaltungen.

Zusammenarbeit
Seit fast 800 Jahren profitieren Thomasschule, Thomanerchor und Thomaskirche von einander, diese Zusammenarbeit sollte zum Vorteil aller fortgesetzt werden. Grundsätzliches Ziel unserer Schule muss eine verbesserte Arbeit mit dem Thomanerchor sein. Auch das Forum Thomanum hat nur Erfolg wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen und nicht persönliche Ansprüche und Differenzen dominieren. Darum müssen alle Institutionen in den Planungen angemessen wahrgenommen werden. Gerade deswegen ist es nötig, dass die Partizipationsrechte der Schüler nicht behindert sondern gefördert werden. Wichtig für die Zukunft ist eine noch bessere Kommunikation zwischen Schul- und Chorleitung, Lehrern und Betreuern, sowie den jeweiligen Vertretern der Eltern und Schüler durch regelmäßige Treffen.

Auf die Zukunftssorgen des Thomanerchors muss eingegangen werden, deswegen ist der Verein Forum Thomanum in seiner ursprünglichen Idee unterstützenswert. Die Schüler der Thomasschule befürworten eine nachhaltige Nachwuchsförderung durch Kindergarten und Grundschule. Allerdings betonen wir auch an dieser Stelle wieder, dass sich unser inhaltlicher Fokus im Sinne einer ganzheitlichen Bildung nicht nur auf Musik beschränkt, sondern die heutige Vielfalt erhält und ausweitet.

Schulstruktur
Eine Änderung der Schulträgerschaft ist generell nicht zweckdienlich. Allerdings sollte sich die Schule neben ihren Fördervereinen (Thomanerbund; Verein zur Förderung und Erhaltung des Ganztagsschulprogramms an der Thomasschule) auch um eine stärkere privatwirtschaftliche Unterstützung bemühen, um die bestmögliche Ausbildung zu bieten und nicht Sparzwängen der Stadt, gerade im angestrebten Ganztagsschulprogramm, zu unterliegen. Kooperationen mit Wirtschaftsunternehmen dürfen allerdings nicht die Unabhängigkeit der Schule einschränken. Wir sprechen uns grundsätzlich gegen die Einführung eines Schulgeldes als zukünftige Finanzierung der Thomasschule im Forum Thomanum aus. Auch daraus resultiert, dass eine Trägerschaftsänderung der Schule, ob in naher oder ferner Zukunft, nicht möglich ist, da eine solche realistischerweise immer mit einem Schulgeld verbunden ist. Da unsere Schule auch weiterhin zur allgemeinen Hochschulreife führen soll, wäre eine Änderung der Lehrpläne unter privater Trägerschaft, auch wenn diese wünschenswert erscheint, nicht möglich.

Konzepte wie die Umwandlung der Thomasschule in eine Gemeinschaftsschule oder die Integration einer Mittelschule in den Campus erscheinen uns nicht sinnvoll, da solche Ideen in der Umsetzung deutschlandweit kaum zu nachhaltigem Erfolg geführt haben.

Der Vorstand des Forum Thomanum sollte sich bei Entscheidungen der Schule auf eine beratende Funktion beschränken. Die Schule wird repräsentiert durch ihren Rektor, sowie Lehrer, Eltern und Schüler.

Beschlossen durch den Schülerat der Thomasschule zu Leipzig am 13. Juni 2006.

Erarbeitet von Sebastian Büttner, Marie-Theres Merrem, Marcus Niermann, Israel Pohl, Steffen Richter, Odila Schröder, Christoph Schultz, Max Wiedemann und Lorenz Wolff.

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