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Leipziger Auwald

Ausdehnung
Das Landschaftsschutzgebiet Leipziger Auwald gehört zu den größten erhaltenen Auwaldbeständen in Mitteleuropa. Es umfasst, mit einer Gesamtfläche von circa 5900 Hektar, mehrere Naturschutzgebiete (NSG) und Flächenhafte Naturdenkmale (FND):
Das Landschaftsschutzgebiet unterteilt sich in den nördlichen und den südlichen Auwald. Hinterer Forst, Gundorfer Lachen, Burgaue, Leutzscher Holz und Rosenthal gehören zum nördlichen Teil. Zum südlichen Auwald zählen Küchenholz, Connewitzer Holz, Nonne, Lauer und der Zschochersche Winkel. Weitere Informationen finden sich auf den Seiten der Stadt Leipzig.

Boden und Klima
Der Boden im Auwald ist neutral bis schwach sauer (pH-Wert 6 bis 7), tiefgründig, kalkarm, sehr fruchtbar und relativ schwer, er hat kaum Humusauflage. Die oberste, zwei bis vier Meter hohe Schicht des Bodens bildet der Aulehm. Der Auwald befindet sich in der Mischwaldzone der gemäßigten Klimazone im Klimabezirk „Leipziger Tieflandsbucht“ am SO-Rand des Mitteldeutschen Trockengebiets (Regenschattengebiet des Harz). Der Jahresniederschlag liegt bei 500 mm, die größte Regenmenge fällt im Juli. Sehr gering ist der Niederschlag dagegen im Januar. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei 9°C (Monatsmittel: Maximum Juli 18°C, Minimum Januar 0°C). Frost tritt in der Regel zwischen Ende Oktober und Mitte Mai auf. Im Auwald kommt es relativ häufig zu Bodennebel, das Klima ist ausgeglichen. Im Sommer ist es meist feucht und kühler als in der Umgebung.

Frühling im Auwald
Im Frühjahr kann das Licht bis zum Boden vordringen, da die Bäume noch kein Laub tragen. Daher blühen zu dieser Jahreszeit die Frühblüher, die an die günstigen Lichtverhältnisse angepasst sind. Die meisten von ihnen sind Geophyten, sie überwintern als Knollen, Zwiebeln oder Wurzelstöcke. Die weißen Blüten des Märzenbecher entfalten in manchen Jahren schon im Februar ihre weißen Blüten. Wie auch die des Schneeglöckchen, welches aus den Gärten verwildert in den Auwald gekommen ist. Kurz danach folgen Waldgoldstern und Lungenkraut, sowie die Hohe Schlüsselblume, das Scharbockskraut und das Veilchen. Frühlings-Platterbse, Lerchensporn, Gefleckter Aronstab, Windröschen, Moschusblümchen, Gefleckte Taubnessel und Goldnessel kommen im April dazu. Im Leipziger Auwald wachsen nicht nur das weißblühende Buschwindröschen und das Gelbe Windröschen, sondern auch noch eine Kreuzung der beiden, das Hellgelbe Windröschen. Da es nur in Leipzig wächst, wurde es nach der Stadt benannt – Anemone lipsiensis. Ab Mitte April dominieren dann schon weitestgehend die Blätter des Bärlauchs, der im Mai blüht. Mit der Blüte des Bärlauchs geht die Frühblühersaison zu Ende, Bäume und Sträucher beginnen gegen Ostern auszutreiben.

An einem typischen, sonnigen Frühlingstag lag die Lufttemperatur 1,50 m über dem Boden bei 7° C, in einer Höhe von 0,20 m bei 7,5° C. Die Bodentemperatur betrug in einer Tiefe von 10 cm 8° C. 30 Zentimeter unter der Erdoberfläche war es 6° C warm. Die Lichteinstrahlung in der Sonne wurde mit 1096x10 Lux bestimmt, im Schatten lag der Wert bei 612x10 Lux. Die Luftfeuchtigkeit betrug 60% bis 70%. Im Sommer liegt sie dann bei 80 Prozent.

Auwald
  Der Leipziger Auwald im Frühling

Entstehung und Geschichte
In den letzten 2 Millionen Jahren wurde das Leipziger Tiefland in seinen derzeitigen Zustand geformt. Die Schichten, die in dieser Zeit entstanden sind, erreichen im Auwaldgebiet eine Höhe von bis zu 10 Metern, an manchen Stellen sogar von bis zu 20 Metern. Bestandteile dieser Schichten sind Lehm, Mergel, Sand, Kies und Ton. Im Verlauf der Elster-Eiszeit entstanden durch zwei Eisvorstöße große Seen bis zu einer Größe von 30 km² und der untere Teil der Schotter aus Flusskies. Im Verlauf schoben sich Eismassen bis ins Leipziger Gebiet vor und brachten Gestein mit sich. Nach dem Abtauen des Eises lagerten sich diese Gesteine als Moräne ab. Aus dieser wurden im weiteren Verlauf Gesteine aus dem Norden ausgewaschen, gelangten durch Erosion in die Flüsse und vermischten sich dort mit einheimischen Geröllen. Über dem Schotter aus dieser Eiszeit liegt eine Grundmoräne, die aus grauem Geschiebemergel besteht. Die Saale-Eiszeit führte zu drei Eisvorstößen. Aus Schutt des Mittelgebirgsraum entstanden die Hauptterrassen. Die Eismassen der Eiszeit brachten sandig-tonigen Geschiebemergel und Geschiebelehm mit sich, der auf den Flussschottern eine Grundmoräne bildete. Bei der jüngsten, der Weichsel-Eiszeit, ist das Eis nicht bis in das Leipziger Gebiet vorgedrungen, jedoch sammelten sich durch Flussablagerungen Fließ- und Schwemmsande, sowie Kiese und Sande an. Durch den Wind kam es zur Ablagerung von Treibsand und Löß. Die Fruchtbarkeit des Bodens ist auf die Ablagerungen in der Weichselzeit zurückzuführen. Die Auen wurden durch das Geröll, welches die Flüsse während der Eiszeit mit sich führten, geformt. Nach den Eiszeiten kam es ebenfalls noch zu Schotteransammlungen.

Darüber liegt eine zwei bis vier Meter mächtige Schicht von rötlich-braunem Aulehm. Die Aulehmbildung ist auf die Besiedlung durch den Menschen vor etwa 5000 bis 6000 Jahren zurückzuführen. Auf Grund von Rodungen wurden große Flächen freigelegt und durch den Niederschlag die nun ungeschützten, oberen Bodenteilchen abgespült. Die hervorgerufene Abtragung besonders am Oberlauf der Flüsse führte zur verstärkten Lehmablagerungen im Tiefland.

Seit dem 12. Jahrhundert fanden die ersten größeren Eingriffe statt. So entstand beispielsweise zwischen Pleiße und Parthe der Pleißemühlgraben. Gerberkanäle wurden angelegt, Auelehm aus dem Elsterflutbett abgebaut, um Ziegel herzustellen. 1547 begann der Bau des Floßgrabens, der eine Verbindung zwischen Weißer Elster, Saale und Luppe herstellte. Er wurde genutzt um gefällte Bäume auf den Markt zu bringen. Seit 1563 verhinderte eine Waldordnung den wahllosen Holzeinschlag. Eine genaue Regelung existierte jedoch erst seit 1617, bis dahin nahm der Waldbestand deutlich ab. Die ab dem 17. Jahrhundert aufgebaute Kanalisation leitete die Abwässer direkt in die Flüsse, wegen der Hochwassergefahr begann der Bau von Anlagen zur Hochwasserregulierung. Mit Beginn der Industrialisierung, Anfang des 18. Jahrhunderts, wurden immer mehr Schadstoffe in die Flüsse geleitet. Der Auwald wurde früher jährlich durch Hochwasser von Pleiße, Weißer Elster und Luppe überflutet. Ab 1850 wurden die Flüsse stark reguliert, Flussläufe verlegt. Eine breite Flutrinne am Connewitzer Holz dient seit 1867 dem Hochwasserschutz.

Seit 1912 gab es verstärkte Bemühungen zum Schutz des Auwalds, dennoch wurde 1930 das Georgenholz bei Möckern aus Wirtschaftlichkeitsgründen abgeholzt. Zum großen Schaden des Waldes wurden seit diesem Zeitpunkt die natürlichen, jährlichen Überschwemmungen gänzlich unterbunden. Der Auwald wird deswegen trockener, viele Organismen sind ausgestorben. Durch die Regulierung der Fließgewässer hat sich im Leipziger Auwald heute eine Hartholzaue gegenüber der früheren Weichholzaue durchgesetzt. 1950 wurde der gesamte Leipziger Auwald zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. 1961 entstanden daraus die Naturschutzgebiete Burgaue und das Connewitzer Holz. Die Schadstoffbelastung der Flüsse in diesen Gebieten war trotzdem katastrophal. Von 1963 bis 1965 verrohrte man den Elstermühlgraben. Wegen des Braunkohleabbaus im Süden Leipzig kam es in den 60er und 70er Jahren zu großen Verlusten des Auwalds, der Grundwasserspiegel sank deutlich. Mitte der 60er wurde aus Amerika der Ulmensplintkäfer eingeschleppt. Er überträgt einen Pilz, der für das Ulmensterben verantwortlich ist. Einheimische Vögel fressen diesen Käfer nicht, bis heute ist er nicht ausgestorben, ausgewachsene Ulmen sind eine Seltenheit. 1973 wurde der Kulkwitzer Tagebau zum Kulwitzer See umgestaltet, der Grundwasserspiegel normalisierte sich wieder. 1977 wurde das Flussbett der Weißen Elster wegen des Tagebaus Cospuden umgelegt, Ende der 80er fiel die Lauer dem Tagebau zum Opfer. 1982 wurde die heutige B2 gebaut, viele Bäume des Connewitzer Aktholzes mussten gefällt werden. Die Qualität des Fließgewässers besserte sich in den 90er Jahren merklich durch die Stilllegung großer Industriezweige und ein kontrolliertes Einleitverbot.

Die Aue als abgeschlossener Lebensraum wird heute von sehr vielen Straßen durchschnitten, das Biotop kann so seine Aufgaben nicht mehr in vollem Umfang erfüllen, viele Tiere werden von Autos überfahren. Durch den Zwenkauer Tagebau kam es in der Südaue zu einer starken Entwässerung, dies sieht man besonders an der Wintertrockenheit alter Bäume. Immer mehr Feuchtgebiete verschwinden durch das Sinken des Grundwasserspiegels. Außerdem wird der Auwald durch geplante Bauvorhaben und die große Umweltbelastung geschädigt. Seit Mitte der 90er Jahre werden einige Teile des Gebiets künstlich überschwemmt, um den Auwald zu erhalten.

Der mit circa 600 Lebensjahren älteste und dickste Baum Leipzigs steht circa 250 Meter südlich vom Scherbelberg im Rosental, genau neben einer Kreuzung vom Mulde-Parthe Radweg.

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